Wildseide

Und wieder ist fast ein Monat rum. Meine Hände und mein Kopf rotieren um ein neues Thema. 

Die Wildseide.

Im Zuge der Färbungen, habe ich auch Kammzüge von Thussaseide gefärbt und bin beim Recherchieren zu dem Thema über sogenannte Seidenhankys gestolpert. Nun wollte ich diese auch färben, fand aber nirgends welche zu kaufen.

 

Also habe ich kurzerhand Seidenkokons, von bereits geschlüpften Faltern der Seidenraupe, bestellt und den grandiosen Plan ausgeheckt, diese zu Hankys zu verarbeiten. Begleitet mich nun auf dem Weg.

 


Diese Hankys bestehen aus vielen Schichten, auf einen Rahmen aufgezogener Seidenkokons.

 

Somit musste ich zu allererst einen Rahmen bauen. Der sollte in etwas 25cm x 25cm messen. 

Es reichen dementsprechend eine schmale Holzlatte von einem Meter Länge, ein wenig Leim, 4 Winkel, 16 Schräubchen und der Rahmen steht.


Schritt 1 ist getan, kommen wir zum Nächsten.

Was brauchen wir noch? 

Kokons, sind bei Ebay und auch Amazon erhältlich. Ich nutze mit Absicht Kokons bereits geschlüpfter Falter, denn ich mag keine Raupensuppe fabrizieren.

 

Um die Teile aufzulösen, müssen sie gekocht werden. 

Auf 1l Wasser, 1 TL Waschsoda und ein Spritzer Fit.

Zum Spülen noch warmes Wasser.


Jetzt kann der Spaß beginnen. 

Auf dem Herd brodelt die Seifenlösung. Nun kommen die Kokons einzeln (!) ins Wasser. Durch den Kochprozess löst sich der organische Kleber, mit dem der Seidenfaden zusammengehalten wird auf. Dabei löst sich der Kokon langsam auf und wird transparent. Wenn er aussieht wie ein schwimmender Wattebausch kann er raus, in das saubere Wasser, und ein neuer in die kochende Lauge.


Der aufgelöste Bausch sollte im Wasser schon etwas quadratisch auseinander gezogen werden. Alles was sich schleimig anfühlt, noch rausreiben. Das verklebt sonst nur den Hanky .

 

Das Ding nun auf die Breite des Rahmen ziehen und über die obere Kante legen.

Danach nach unten weiter ausziehen, und um die untere Kante umlegen.

 

Den ganzen Rahmen einmal drehen und mit den nächsten Kokon auf die selbe Weise verfahren. 


Bei meinem 1. Hanky habe ich 20 Kokons über einander gezogen. Die aus dem Handel haben bis zu 100 Schichten. Also ist noch Platz nach oben. 

 

Das Ganze hat etwa eine Stunde gedauert. Was für ein Aufwand! Aber ich bin trotzdem hellauf begeistert.

Nach dem Trocknen, kann man den Hanky vom Rahmen lösen und nach Belieben weiter verarbeiten.


Ich habe ihn dann spontan gefärbt und zum Testen mal angesponnen. 

Und es entsteht ein Faden mit kleinen Knötchen also tatsächlich eine klassische Wildseide.

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